Oracle SE2 und die Socket-Falle: Wann Sparen plötzlich teuer wird
Shownotes
Oracle Standard Edition 2: Noch zukunftsfähig?
Günstig, beliebt und mit ein paar handfesten Tücken
Oracle ist teuer, das wissen alle. Aber es gibt eine günstige Alternative: die Standard Edition 2. Robert Marz fragt nach, Johannes Ahrends erklärt als langjähriger SE2-Fan, was die kleine Edition wirklich kann und wo Oracle klare Grenzen zieht.
Zuerst die Herkunft des Namens. Früher gab es die Standard Edition und die Standard Edition One. Mit der Version 12.1.0.2 fasste Oracle beide zur Standard Edition 2 zusammen, mit der prägenden Grenze von maximal zwei Sockets. Die „2" steht also für die zweite Generation und zugleich für das Socket-Limit. Danach die harten Fakten: maximal zwei Sockets pro Server und 16 Threads, also rund acht Cores. Die Datenbankgröße selbst ist dagegen nicht begrenzt, eine 10-TB-Datenbank auf SE2 ist problemlos möglich.
Bei den Features wird es differenziert. SE2 kennt keine Optionen, kein Data Guard und seit Version 18 auch kein RAC mehr. Dafür sind Spatial, Graph und sogar AI Vector Search enthalten. Für die Hochverfügbarkeit gibt es Standard Edition High Availability (SEHA), die das Fehlen von RAC und Data Guard abfedert. Johannes erklärt nebenbei verständlich, was RAC und Data Guard überhaupt unterscheidet.
Das wichtigste Praxisthema ist die Socket-Falle. Auf modernen Multi-Chip- und Chiplet-Prozessoren, etwa Intel Xeon der Serie 6 sowie AMD Ryzen und EPYC, zählt laut Oracle Technology Price List jeder Chip als belegter Socket. Damit ist SE2 auf solcher Hardware nicht mehr erlaubt. Ein realer Kunde musste deshalb neue Server kaufen, und die Nachlizenzierung auf die Enterprise Edition geht schnell ins 40- bis 50-fache. Der Ausweg führt über die Oracle Database Appliance, wo eine Prozessorlizenz je acht aktivierte Cores gilt und SE2 auch mit Multi-Chip läuft.
Zum Schluss die aktuelle Lage rund um Oracle 26ai. On-premises läuft SE2 für 26ai auf den Oracle Engineered Systems, also etwa auf der Oracle Database Appliance oder auf Exadata. Auf beliebiger Hardware gibt es sie dagegen noch nicht. In der OCI Cloud ist sie ebenfalls verfügbar, und in den Oracle Licensing Guides ist bereits die 26.2 gelistet. Das Fazit der beiden: SE2 bleibt eine starke und günstige Wahl, solange man die Enterprise-Features nicht braucht. Vor dem Einsatz lohnt sich aber der genaue Blick auf die Hardware.
Diese Folge in der Übersicht:
- Woher der Name kommt: Aus Standard Edition und Standard Edition One wurde mit 12.1.0.2 die Standard Edition 2 mit maximal zwei Sockets.
- Die harten Grenzen: maximal zwei Sockets pro Server und 16 Threads (rund acht Cores). Die Datenbankgröße ist nicht begrenzt, eine 10-TB-Datenbank auf SE2 ist möglich.
- Keine Optionen, kein Data Guard, kein RAC mehr seit Version 18. Dafür sind Spatial, Graph und sogar AI Vector Search enthalten.
- Hochverfügbarkeit ohne EE: Standard Edition High Availability (SEHA) federt das Fehlen von RAC und Data Guard ab.
- RAC und Data Guard kurz und verständlich erklärt.
- Die Socket-Falle: Auf modernen Multi-Chip- und Chiplet-Prozessoren (Intel Xeon Serie 6, AMD Ryzen und EPYC) zählt jeder Chip als belegter Socket, womit SE2 auf dieser Hardware nicht mehr erlaubt ist.
- Der Ausweg: Auf der Oracle Database Appliance gilt eine Prozessorlizenz je acht aktivierte Cores, dort läuft SE2 auch mit Multi-Chip.
- SE2 und Oracle 26ai: On-premises auf Oracle Engineered Systems wie der Oracle Database Appliance oder Exadata verfügbar, auf beliebiger Hardware noch nicht. In der OCI Cloud nutzbar, in den Licensing Guides als 26.2 gelistet.
- Praxis: SE2 ist im deutschen Mittelstand weit verbreitet, von der 10-TB-Datenbank bis zur Hochwasserzentrale Baden-Württemberg mit SEHA.
- Fazit: SE2 bleibt günstig und stark, wenn man die Enterprise-Features nicht braucht. Vor dem Einsatz die Hardware prüfen.
Weiterführende Links und Ressourcen:
- ora2know Website
- Oracle Database Standard Edition 2 FAQ (Oracle)
- Standard Edition High Availability – See What's New (Oracle MAA Blog)
- Oracle Database Appliance (Oracle)
- SE2 ersetzt SE und SE One (12.1.0.2) (Mike Dietrich)
- Oracle SE2 Licensing 2026: Socket Rules and Cost (Redress Compliance)
- dbvisit Standby (Drittanbieter-HV für Standard Edition)
Die Podcast-Hosts und Director:
- Johannes Ahrends: Oracle ACE, DBA, ora2know. Web: carajandb.com
- Robert Marz: Oracle ACE, IT-Architect, ora2know. Web: robbie.databee.org
- Oliver Pyka: Oracle ACE, Freiberufler, ora2know. Web: pyka.de
Über O wie Datenbank:
Der deutschsprachige Oracle-Datenbank-Podcast von ora2know. Johannes Ahrends, Robert Marz und Oliver Pyka bringen zusammen über 90 Jahre Oracle-Erfahrung mit und sprechen alle vier Wochen über das, was DBAs, Entwickler und IT-Entscheider wirklich bewegt: Migration, Architektur, neue Features, Betrieb und Strategie rund um die Oracle Datenbank. Praxisnah, meinungsstark und ohne Marketing-Sprech.
Über ora2know:
Wissen teilen, Netzwerk aufbauen. ora2know ist eine unabhängige Community für Oracle-Datenbank-Administratoren und -Entwickler im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist der praxisnahe Austausch von Wissen und Erfahrungen rund um Oracle Database, Oracle APEX und Oracle AI. Ohne kommerzielle Interessen, getragen von Enthusiasmus und gegenseitiger Hilfe. Ob DBA, Entwickler oder Architekt: ora2know verbindet Oracle-Profis in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Über diese Podcast-Produktion:
Dieser Podcast ist eine TON.EINS Produktion.
Transkript anzeigen
00:00:00: O wie Datenbank, ein Oracle-Podcast von ora2know.
00:00:07: Robert Marz: Gude Johannes, wir müssen mal über Lizenzen von Oracle reden.
00:00:14: Robert Marz: Sag mal, die Enterprise Edition, die ist ja richtig teuer.
00:00:17: Robert Marz: Ich habe gehört, da gibt es auch was günstiges und du bist doch Fan von der Standard Edition 2 oder so.
00:00:22: Robert Marz: Kannst du uns mal erzählen, was das ist?
00:00:24: Johannes Ahrends: Moin Robert. Ja, ich bin tatsächlich ein großer Fan dieser Standard Edition 2.
00:00:28: Johannes Ahrends: Und zwar lassen sich damit doch immense Kosten sparen.
00:00:33: Johannes Ahrends: Und die Problematik, die ich immer wieder höre bei Kunden, können wir nicht einsetzen, reicht für uns nicht aus.
00:00:40: Johannes Ahrends: Wir brauchen aber dieses oder jenes Feature.
00:00:43: Johannes Ahrends: Das ist eigentlich etwas, was manchmal am Thema vorbeigeht.
00:00:47: Johannes Ahrends: Nicht immer, also es kann durchaus plausible Gründe geben, dass man die nicht einsetzt.
00:00:52: Johannes Ahrends: Aber manchmal ist es tatsächlich an den Haaren herbeigezogen.
00:00:55: Johannes Ahrends: Und das würde ich an der Stelle auch gerne ein bisschen beleuchten wollen.
00:00:58: Robert Marz: Okay, bevor wir richtig anfangen, wo kommt denn eigentlich der Name her?
00:01:02: Robert Marz: Also Standard Edition im Verhältnis zur Enterprise Edition kann ich mir ja noch ein bisschen erzählen.
00:01:06: Robert Marz: Aber was soll diese 2?
00:01:08: Johannes Ahrends: Das ist die zweite Version.
00:01:10: Johannes Ahrends: Und zwar hat sich Oracle mit der Version 11 mal irgendwann gedacht, naja, es gibt eine Standard Edition 1.
00:01:18: Johannes Ahrends: Und es gibt keine Standard Edition 2, sondern eine Standard Edition.
00:01:22: Johannes Ahrends: Und diese beiden waren entsprechend platziert und bepriced.
00:01:27: Johannes Ahrends: Und diese beiden waren entsprechend platziert und bepriced.
00:01:28: Johannes Ahrends: Und das war Oracle dann doch ein bisschen ein Dorn im Auge, weil die Standard Edition 1, die kostete damals glaube ich um die 6000 Euro.
00:01:37: Johannes Ahrends: Also war extremst preiswert.
00:01:40: Johannes Ahrends: Und die Standard Edition war auch noch einigermaßen preiswert und auf Servern mit bis zu 4 Sockets einsetzbar.
00:01:49: Johannes Ahrends: Und mit der Version 12 ist Oracle dann hingegangen und hat gesagt, nee, das gibt es nicht mehr, das gilt nicht mehr.
00:01:55: Johannes Ahrends: Das war die 12.1.0.1.
00:01:57: Johannes Ahrends: Das war die letzte Version, mit der man die einsetzen durfte.
00:02:00: Johannes Ahrends: Und ab 12.1.0.2, also die Version unter 12, die man mal wirklich professionell einsetzen konnte,
00:02:06: Johannes Ahrends: an der Stelle gab es dann den Update von Oracle zu sagen, es gibt nur noch die Standard Edition 2,
00:02:13: Johannes Ahrends: die dann als zweite Version oder eben auch als 2 für maximal auf 2 Sockets betrieben werden kann.
00:02:21: Johannes Ahrends: Also nicht nur eine Versionsbezeichnung, sondern auch eine Sockets-Bezeichnung.
00:02:26: Robert Marz: Da müssen wir ja auch mal drüber reden.
00:02:28: Robert Marz: Sorgt ja immer für viel Verwirrung.
00:02:30: Robert Marz: Das heißt, die Standard Edition hat Einschränkungen, wie groß die Rechner sein dürfen, auf der ich sie laufen lassen kann.
00:02:35: Johannes Ahrends: Richtig?
00:02:36: Johannes Ahrends: Jein.
00:02:37: Johannes Ahrends: Also sie hat Einschränkungen, was die Anzahl von Sockets angeht.
00:02:41: Johannes Ahrends: Denn das ist tatsächlich so, dass die Standard Edition 2 auf einem Server eingesetzt werden darf, der maximal 2 Sockel hat.
00:02:50: Johannes Ahrends: Nicht wie viele davon belegt sind.
00:02:52: Johannes Ahrends: Die muss ich kaufen.
00:02:53: Johannes Ahrends: Also ich muss für jeden belegten Socket eine Lizenz haben.
00:02:56: Johannes Ahrends: Aber wenn ich zum Beispiel nur eine belegt habe, brauche ich auch nur eine Lizenz.
00:03:00: Johannes Ahrends: Aber der Server darf nicht mehr als 2 Sockets haben.
00:03:03: Robert Marz: Und das ist dann egal von der Anzahl der Kerne her?
00:03:05: Robert Marz: Also es geht wirklich nur um die Sockets?
00:03:07: Robert Marz: Das heißt, wenn ich 2 Sockets habe und da stecke ich 64 Kernprozessoren rein, kann ich trotzdem 128 Kerne haben?
00:03:13: Johannes Ahrends: Auch das nicht mehr.
00:03:14: Johannes Ahrends: Also das war ursprünglich tatsächlich auch möglich.
00:03:16: Johannes Ahrends: Das hat Oracle mittlerweile auch begrenzt.
00:03:18: Johannes Ahrends: Das heißt, ich habe maximal 16 Threads, die ich verwenden kann.
00:03:22: Johannes Ahrends: Da wir bei den CPUs ja meistens mit Multithreading arbeiten.
00:03:25: Johannes Ahrends: Bedeutet das in der Regel 8 Cores oder 8 physikalische Prozessoren und dann 16 Threads, die ich verwenden darf.
00:03:35: Johannes Ahrends: Das ist also das Maximum.
00:03:37: Johannes Ahrends: Die Größe der Datenbanken, das ist das, weshalb ich Jein gesagt habe, hat keinen Einfluss darauf.
00:03:42: Johannes Ahrends: Das heißt, ich kann eine durchaus 10 TB große Datenbank mit einer Standard Edition betreiben.
00:03:47: Johannes Ahrends: Und die darf auch 1 TB Hauptspeicher haben, wenn das System das hergibt.
00:03:52: Robert Marz: Gut, also der limitierende Faktor sind die Cores.
00:03:54: Robert Marz: Und die Sockets, die ich haben kann.
00:03:56: Johannes Ahrends: Also die Sockets auf jeden Fall und dann auch ein bisschen die Cores.
00:03:59: Johannes Ahrends: Aber alles andere kann ich verwenden, wie ich brauche.
00:04:01: Robert Marz: Aber für die Features gilt das ja nicht, oder?
00:04:04: Johannes Ahrends: Nein, es gibt einen großen Unterschied, was die Features angeht.
00:04:07: Johannes Ahrends: Aber nochmal ein kleiner Satz zu den Cores.
00:04:09: Johannes Ahrends: Der Server darf mehr Cores als 8 haben oder 16.
00:04:13: Johannes Ahrends: Es werden aber von diesen nur die 16 Threads benutzt.
00:04:17: Johannes Ahrends: Das heißt also, wie viele Prozessoren der Server tatsächlich hat, ist nicht von Belang.
00:04:22: Johannes Ahrends: Beziehungsweise, wenn ich mehr als eine Standard Edition auf einem Server betreibe,
00:04:26: Johannes Ahrends: dann kann ich halt sagen, der eine kriegt die ersten 8 Cores und der andere die zweiten 8 Cores.
00:04:31: Johannes Ahrends: Also so kann sich das durchaus verteilen.
00:04:33: Johannes Ahrends: Aber wenn es darum geht, was die Größe angeht, dann gibt es eben keine Unterscheidung.
00:04:39: Robert Marz: Die Standard Edition bringt alle Features mit, die ich in der Enterprise Edition auch habe.
00:04:43: Johannes Ahrends: Leider nein.
00:04:44: Johannes Ahrends: Es gibt eine doch erkleckliche Anzahl von Mismatches oder von Features,
00:04:49: Johannes Ahrends: die ich in der Standard Edition nicht einsetzen kann.
00:04:51: Johannes Ahrends: Die, die richtig wehtun, ist zum Beispiel sowas wie die Data Guard Option,
00:04:58: Johannes Ahrends: die ja bei der Enterprise Edition kostenlos ist.
00:05:01: Johannes Ahrends: Die ist bei der Standard Edition auch nicht für mehr Geld zu kriegen,
00:05:05: Johannes Ahrends: denn die Standard Edition hat auch eine weitere Einschränkung.
00:05:08: Johannes Ahrends: Es gibt keinerlei Optionen für diese.
00:05:10: Johannes Ahrends: Das heißt, ich nehme die, so wie sie ist.
00:05:12: Johannes Ahrends: Aber sie kommt mit Spatial, sie kommt mit Graph, sie kommt mit Vector Search,
00:05:17: Johannes Ahrends: sie kommt mit allen möglichen anderen neueren und älteren Features.
00:05:20: Johannes Ahrends: Nur die Hochverfügbarkeit, die leidet etwa, weil es auch RAC nicht gibt.
00:05:25: Johannes Ahrends: Das gab es bis zur Version 18.
00:05:28: Johannes Ahrends: Dann hat Oracle plötzlich gesagt, nee, RAC machen wir nicht mehr.
00:05:31: Johannes Ahrends: Und das heißt an der Stelle auch die Verteilung von einer Datenbank auf zwei Instanzen ist nicht mehr möglich.
00:05:38: Johannes Ahrends: Es gibt aber etwas, das nennt sich SEHA, Standard Edition High Availability,
00:05:43: Johannes Ahrends: die das so ein wenig abfedert.
00:05:45: Johannes Ahrends: Aber Hochverfügbarkeit ist ein großes Manko in der Standard Edition,
00:05:49: Johannes Ahrends: weil es zum Beispiel auch keine Möglichkeit gibt, Backups zu parallelisieren.
00:05:53: Johannes Ahrends: Das heißt, wenn ich eine 10 TB Datenbank habe,
00:05:56: Johannes Ahrends: dann kann das durchaus längere Zeit dauern, bis die gesichert wurde.
00:06:00: Robert Marz: Okay, und jetzt für die Entwickler und Nicht-DBAs vielleicht nochmal,
00:06:03: Robert Marz: was genau ist RAC und was ist Data Guard und wo unterscheiden sich die beiden?
00:06:07: Johannes Ahrends: RAC bedeutet, dass ich einen Datenbank-Server habe oder eine Datenbank physikalisch
00:06:13: Johannes Ahrends: und mit zwei Instanzen, also mit zwei verschiedenen aktiven Systemen darauf zugestehe,
00:06:18: Johannes Ahrends: die auch völlig gleichberechtigt sind.
00:06:21: Johannes Ahrends: Und Data Guard bedeutet, dass ich eine Kopie meiner Datenbank habe,
00:06:25: Johannes Ahrends: die permanent recovered wird und somit jede Transaktion automatisch auf zwei Datenbanken gespeichert wird.
00:06:32: Johannes Ahrends: Das heißt, das eine ist eine Datenbank mit zwei Instanzen,
00:06:36: Johannes Ahrends: das andere sind zwei Datenbanken mit zwei Instanzen,
00:06:39: Johannes Ahrends: wobei die eine im Recovery-Modus ist.
00:06:41: Johannes Ahrends: Hochverfügbarkeit ist da an der Stelle das Optimale mit dieser Data Guard Option.
00:06:47: Robert Marz: Wenn wir da jetzt über Lizenzen reden, muss ich dann immer für auch die Standby-Knoten,
00:06:53: Robert Marz: die vollen Lizenzen haben?
00:06:54: Robert Marz: Ich habe da in Erinnerung, dass es irgendwie so eine mehrere Tage Karenzzeit gibt.
00:06:58: Johannes Ahrends: Oder wie war das?
00:06:59: Johannes Ahrends: Genau, da gibt es Spezialitäten.
00:07:01: Johannes Ahrends: Da gehen wir dann aber jetzt von der Standard Edition weg,
00:07:03: Johannes Ahrends: weil wie gesagt, für die gibt es ja kein Data Guard.
00:07:06: Johannes Ahrends: Und an der Stelle würde ich das lieber mal beleuchten,
00:07:09: Johannes Ahrends: wenn wir uns ausschließlich über Data Guard unterhalten.
00:07:11: Robert Marz: Und wenn ich jetzt die Standard Edition 2 einsetzen möchte,
00:07:15: Robert Marz: dann kann ich das auch schon mit der neuesten 26 tun,
00:07:19: Robert Marz: oder bin ich noch auf der 19 verhaftet?
00:07:21: Johannes Ahrends: Momentan ist das ein bisschen schwierig zu beantworten.
00:07:25: Johannes Ahrends: Ich kann zum heutigen Stand nur sagen, es gibt keine Standard Edition 26,
00:07:31: Johannes Ahrends: aber es gibt mittlerweile die Informationen in den Oracle Licensing Guides
00:07:37: Johannes Ahrends: und weiteren Dokumentationen, wo davon ausgegangen ist,
00:07:41: Johannes Ahrends: dass es die 26, an der Stelle 26.2, schon gibt.
00:07:43: Johannes Ahrends: Für die Standard Edition.
00:07:47: Johannes Ahrends: Insofern glaube ich, dass es die bald geben wird.
00:07:50: Johannes Ahrends: Auf der anderen Seite, es gibt sie auch schon.
00:07:52: Johannes Ahrends: Das ist ein bisschen merkwürdig, weil es gibt sie in zwei Flavors.
00:07:55: Johannes Ahrends: Einerseits kann man die Standard Edition 26 für die OCI Cloud benutzen,
00:08:01: Johannes Ahrends: also für die Oracle Cloud Infrastructure.
00:08:04: Johannes Ahrends: Und zweitens kann man die 26 benutzen für die Oracle Database Appliances.
00:08:11: Johannes Ahrends: Und auf diesen Spezialsystemen oder speziell von Oracle verwalteten Systemen
00:08:17: Johannes Ahrends: kann ich die Standard Edition 26 schon einsetzen.
00:08:20: Johannes Ahrends: Das heißt, auf deine Frage muss ich dann schon sagen,
00:08:23: Johannes Ahrends: ja, es gibt die Version 26 für die Standard Edition.
00:08:27: Robert Marz: Okay, also das heißt, wenn in der Standard Edition 2 nicht alle Features zur Verfügung stehen,
00:08:32: Robert Marz: aber ganz viele davon werden ja häufig mit installiert,
00:08:36: Robert Marz: zumindestens ist das bei der Enterprise Edition immer so,
00:08:38: Robert Marz: habe ich denn da eine Chance?
00:08:40: Robert Marz: Versehentlich eine Lizenzverletzung zu begehen, bloß weil ich Dinge nutze?
00:08:44: Robert Marz: Oder stellt Oracle das irgendwie sicher?
00:08:47: Johannes Ahrends: Mittlerweile stellt Oracle es tatsächlich fast überall sicher.
00:08:51: Johannes Ahrends: Ich würde mich nicht festlegen wollen darauf,
00:08:53: Johannes Ahrends: weil es kann immer mal Gründe geben, dass Oracle das vergisst.
00:08:57: Johannes Ahrends: Deshalb sollte man immer mal in die einschlägige Literatur gucken,
00:09:00: Johannes Ahrends: ob das Feature für die Standard Edition verfügbar ist.
00:09:03: Johannes Ahrends: Ich habe aber in den letzten Jahren keine Fälle mehr gehabt.
00:09:07: Johannes Ahrends: Das war aber mit den älteren Releases,
00:09:09: Johannes Ahrends: Version 10, Version 11 oder auch Version 12, durchaus nicht ganz so klar.
00:09:16: Johannes Ahrends: Das heißt, man konnte durch Verwendung von irgendwelchen Profiles
00:09:20: Johannes Ahrends: oder irgendwelchen Parallelisierungsbefehlen tatsächlich einen Lizenzverstoß begehen,
00:09:26: Johannes Ahrends: der bei Oracle auch generell mitprotokolliert wird.
00:09:29: Johannes Ahrends: Und dann kommen die Kollegen von Oracle an und wollen gerne,
00:09:33: Johannes Ahrends: dass man die Standard Edition durch die Enterprise Edition ersetzt.
00:09:37: Johannes Ahrends: Und das ist dann richtig teuer.
00:09:40: Robert Marz: Okay, und das sind jetzt die Software-Features.
00:09:44: Robert Marz: Und wie sieht es in der Hardware aus?
00:09:46: Robert Marz: Also mit den Kernen kann ich aber nichts falsch machen, oder?
00:09:48: Johannes Ahrends: Auch da ist es ganz schwierig.
00:09:50: Johannes Ahrends: Es heißt zwar bei Oracle in der Dokumentation,
00:09:53: Johannes Ahrends: dass man die auf maximal Systemen mit maximal zwei Sockets verwenden darf.
00:09:59: Johannes Ahrends: Aber jetzt ist die Frage, was ist denn ein Socket?
00:10:03: Johannes Ahrends: Und durch neue Technologien, das nennt sich im Endeffekt Multi-Die,
00:10:07: Johannes Ahrends: oder Multi-Chip, oder auch Chiplet-Prozessoren,
00:10:13: Johannes Ahrends: kommt es halt dazu, dass es auf einmal mehr als zwei Sockets auf einem Socket gibt.
00:10:19: Johannes Ahrends: Also irgendwie sowas doppelt gemoppeltes.
00:10:22: Johannes Ahrends: Das ist aber tatsächlich so, und das werde ich jetzt mal zitieren
00:10:26: Johannes Ahrends: aus dem Oracle Technology Price List.
00:10:29: Johannes Ahrends: When licensing Oracle programs with Standard Edition und so weiter,
00:10:34: Johannes Ahrends: the processor is counted equivalent to an occupied socket.
00:10:38: Johannes Ahrends: Das ist das, was wir schon hatten.
00:10:40: Johannes Ahrends: However, in case of a Multi-Chip-Module,
00:10:43: Johannes Ahrends: each chip in a Multi-Chip-Module is counted as one occupied socket.
00:10:48: Johannes Ahrends: Das bedeutet, jeder Chip in diesem Multi-Module ist ein Socket.
00:10:54: Johannes Ahrends: Und das heißt, ich kann tatsächlich keine Oracle Standard Edition mehr
00:10:59: Johannes Ahrends: auf neueren Prozessoren verwenden.
00:11:02: Johannes Ahrends: Das betrifft die Intel Xeon-Prozessoren der Prozessor-Reihe 6
00:11:06: Johannes Ahrends: und auch die AMD, Ryzen und EPYC-Prozessoren.
00:11:10: Johannes Ahrends: Ich hatte so einen Fall beim Kunden, der eine Standard Edition installiert hatte.
00:11:15: Johannes Ahrends: Und alles lief, und alles war fröhlich, und alles war gut.
00:11:18: Johannes Ahrends: Und ich musste ihm dann sagen, du musst dir bitte sofort neue Server kaufen,
00:11:22: Johannes Ahrends: weil das ist nicht erlaubt, was du da tust.
00:11:25: Johannes Ahrends: Und das ist dann tatsächlich ein Lizenzverstoß.
00:11:28: Johannes Ahrends: Und dann geht man in Faktoren von Größen,
00:11:32: Johannes Ahrends: die größer 40, 50-fache.
00:11:35: Johannes Ahrends: Also wir reden da nicht um, was weiß ich nicht, 18.000 Euro zu 50.000 Euro,
00:11:40: Johannes Ahrends: was so ein Prozessor kostet bei der Enterprise Edition,
00:11:43: Johannes Ahrends: sondern wir reden von acht Prozessoren in einem Socket
00:11:48: Johannes Ahrends: und dann eben die Enterprise Edition mal acht,
00:11:50: Johannes Ahrends: weil man da jeden Prozessor einzeln lizenzieren muss.
00:11:53: Johannes Ahrends: Das sind also horrende Summen, die da im Raum stehen.
00:11:56: Robert Marz: Okay, das möchte man ja auf jeden Fall vermeiden.
00:11:58: Robert Marz: Das heißt, was rätst du?
00:12:00: Robert Marz: Immer schauen.
00:12:01: Robert Marz: Vor dem Einsatz von der Standard Edition schauen,
00:12:04: Robert Marz: dass die Server richtig sind, oder gibt es bessere Methoden?
00:12:07: Johannes Ahrends: Wenn ich meine eigene Hardware haben möchte,
00:12:10: Johannes Ahrends: also die von HP oder wo immer die auch herkommen,
00:12:14: Johannes Ahrends: dann muss man ganz genau schauen,
00:12:16: Johannes Ahrends: ob das ein Multi-Chip- oder Multi-Die-Prozessor ist.
00:12:20: Johannes Ahrends: Wenn dann das der Fall ist,
00:12:22: Johannes Ahrends: wie gesagt, was zum Beispiel mit den Xeon Version 6 der Fall ist,
00:12:27: Johannes Ahrends: die einzige Ausnahme, die ich habe,
00:12:29: Johannes Ahrends: von dieser Multi-Chip-Technologie ist,
00:12:32: Johannes Ahrends: wenn ich die Oracle-Umgebung einsetze,
00:12:35: Johannes Ahrends: das heißt die Oracle Database Appliance,
00:12:37: Johannes Ahrends: weil da gibt es dann tatsächlich den Satz aus der Dokumentation,
00:12:42: Johannes Ahrends: wenn ich halt Oracle Standard Edition requires one processor license
00:12:47: Johannes Ahrends: for every eight enabled cores
00:12:49: Johannes Ahrends: on Oracle Database Appliance running Multi-Chip-Modules.
00:12:53: Johannes Ahrends: Das heißt, in dieser ODA,
00:12:55: Johannes Ahrends: da kann ich die Standard Edition tatsächlich auch im Multi-Chip-Bereich einsetzen.
00:12:59: Johannes Ahrends: Das heißt, auf deine Frage, was man tun sollte,
00:13:02: Johannes Ahrends: muss ich sagen, auch wenn ich nicht unbedingt ein Freund der ODA bin,
00:13:07: Johannes Ahrends: dass das die einzige Möglichkeit ist,
00:13:09: Johannes Ahrends: um eine Standard Edition in Zukunft einzusetzen.
00:13:12: Robert Marz: Gut, dann haben wir heute also gelernt,
00:13:14: Robert Marz: dass die Standard Edition eine sehr gute Möglichkeit ist,
00:13:18: Robert Marz: wenn ich die Enterprise Features nicht brauche, um Geld zu sparen
00:13:21: Robert Marz: und trotzdem eine vollwertige Oracle-Datenbank zu lizenzieren.
00:13:24: Robert Marz: Johannes, hast du denn auch Kunden und Kundenprojekte,
00:13:26: Robert Marz: die die tatsächlich einsetzen?
00:13:28: Johannes Ahrends: Also es ist in Deutschland tatsächlich sehr weit verbreitet,
00:13:31: Johannes Ahrends: denn es gibt in Deutschland diesen Markt der kleinen und mittelständischen Unternehmen,
00:13:34: Johannes Ahrends: die die Amerikaner eigentlich gar nicht so richtig kennen.
00:13:37: Johannes Ahrends: Deshalb wissen die häufig auch gar nicht,
00:13:39: Johannes Ahrends: was die alles mit der Standard Edition anstellen.
00:13:42: Johannes Ahrends: Ich habe einen Kunden, der hat eine tatsächlich 10 TB große Datenbank
00:13:46: Johannes Ahrends: auf der Standard Edition.
00:13:48: Johannes Ahrends: Wir haben einen Kunden, das ist die Hochwasserzentrale in Baden-Württemberg,
00:13:52: Johannes Ahrends: die eine Standard Edition mit Hochverfügbarkeit einsetzen.
00:13:55: Johannes Ahrends: Das ist diese Standard Edition High Availability.
00:13:58: Johannes Ahrends: Und ich habe diverse Kunden,
00:14:00: Johannes Ahrends: die die Standard Edition auch in kritischen Systemen einsetzen.
00:14:03: Johannes Ahrends: Die benutzen dann dbVisit als externe Software,
00:14:07: Johannes Ahrends: um die Hochverfügbarkeit zur Verfügung zu stellen.
00:14:10: Robert Marz: Okay. Vielen Dank, Johannes.
00:14:12: Robert Marz: Das war es auch schon für heute.
00:14:14: Robert Marz: Ich möchte euch auf unsere Shownotes hinweisen.
00:14:17: Robert Marz: Da findet ihr alle Links und alles Wissenswerte zur Standard Edition hinterlegt.
00:14:22: Robert Marz: Auch was wir als ora2know tun.
00:14:24: Robert Marz: Und wir freuen uns wie immer über jedes Abo
00:14:26: Robert Marz: und jede Bewertung.
00:14:28: Robert Marz: Damit könnt ihr uns auf jeden Fall helfen.
00:14:30: Robert Marz: Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
00:14:32: Johannes Ahrends: Tschüss.
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